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Aubenhausen Club Blog

Glotzig auf dem Turnier – was tun?

Ein ängstliches, glotziges Pferd ist für jeden Reiter eine besondere Herausforderung – gerade wenn man auf einem Turnier mehr damit beschäftigt ist, dass Pferd zu beruhigen, als sich darauf zu konzentrieren, sein Können zu zeigen. Da sind gute Nerven und Feingefühl gefragt… und ein durchdachtes Vorgehen. Raphael Netz sitzt tagtäglich auf vielen verschiedenen Pferden. Der U25-Europameister hat ein paar Tipps für ängstliche Kandidaten: „Mit einem unsicheren Pferd trainiere ich zu Hause ganz normal und ich gehe ,Situationen‘ nicht aus dem Weg, wenn die Möglichkeit besteht – um sie total normal zu machen und um Vertrauen aufzubauen. Also beispielsweise eine Ecke mit einem Hocker und Decken darauf, vor dem das Pferd scheut. Der Trainingseffekt ist enorm. Wichtig ist nur: Kein großes Thema daraus machen! Wir versuchen immer ein Thema nicht zum Thema zu machen. Ich reite diese Ecke wie jede andere Ecke der Reitbahn auch.

Weigert sich ein Pferd an einer bestimmten Stelle vorbeizugehen oder scheut es ständig aus scheinbar unerfindlichen Gründen, darf der Reiter sich nicht festbeißen. Es hilft, wenn man sich ganz bewusst frei macht von dem Gedanken, dass etwas auf der Stelle “klappen muss”. Wenn es nicht anders möglich ist, reiten wir eben ein paar Runden mit etwas größerem Abstand an der Ecke vorbei, beginnen mit dem Pferd zu arbeiten und irgendwann ist die Ecke dann gar kein Problem mehr, ohne dass wir daraus ein großes Thema gemacht haben. Ein wichtiger Punkt ist außerdem die eigene Abgeklärtheit. Wer locker und souverän bleibt, überträgt das auch aufs Pferd. Das ist sicherlich leichter gesagt als getan. Denn wer kennt das nicht, schon auf dem Weg zur ‘Gruselecke’ erwartet der Reiter, dass sich das Pferd gleich wieder erschreckt und macht sich vorsichtshalber schon mal vorher fest. Das bewusst nicht zu machen, und stattdessen locker zu bleiben, kann man üben. Eine gute Körperwahrnehmung, Sicherheit und Vertrauen in das eigene Können und ein durchdachtes Training helfen. Die Devise ist, das Pferd und sich vielen unterschiedlichen Situationen zu stellen, die beide gut meistern können, um möglichst viele, positive Erfahrungen sammeln zu können. Dazu gehört auch ein abwechslungsreiches Training mit ausreiten, galoppieren auf der Rennbahn, spazieren gehen usw. Auch wenn man weiß, dass das Pferd schreckhaft ist oder unsicher wird, wenn es mit etwas Unbekanntem konfrontiert wird. Gerade dann hilft es, das Pferd im Alltag nicht in Watte zu packen, auch wenn das mal bedeutet, dass man mit seinem Trainingsplan nicht so vorankommt wie gewünscht und man stattdessen eine Gelegenheit (Baustelle, Müllabfuhr, Trubel) nutzt, um an der Losgelassenheit zu arbeiten.

Eine Extra-Meile gehen

Eine weitere gute Trainingsmöglichkeit ist, regelmäßig auf fremde Plätze zu fahren und ein Turnier und Prüfungssituationen zu simulieren – neue Umgebung, neue Eindrücke, neue Situationen. „So bekommen Pferd und Reiter Routine und das Pferd weiß dann, dass nichts passiert und kann Vertrauen aufbauen“, betont Raphael Netz. Und auch auf dem Turnier nutzen wir gerne jede Möglichkeit, den Pferden das Dressurviereck vorab zu zeigen, z.B. während vorgeschriebener Trainingszeiten auf dem Viereck oder wenn der Turnierveranstalter es ermöglicht, am Tag vor dem Turnier das Gelände zu nutzen. „Mit ängstlichen Pferden muss ich eine extra Meile gehen – das kann man so sagen“, bringt es Raphael Netz auf den Punkt. „Das fängt schon damit an, sich gut um sein Pferd zu kümmern, die Vertrauensbasis zu vertiefen und die Connection zwischen Reiter und Pferd zu stärken. Wenn man dann wegfährt und zusammen zurückkommt, dann macht das ganz viel aus.

Und wenn sich eine solche Vertrauensbasis zwischen Pferd und Reiter entwickelt hat, und das Pferd, den Turniertrubel, die Aufmerksamkeit und das ganze Drumherum genießen kann, stolz auf sich ist und selbstbewusst durchs Viereck tanzt, gibt es fast kein schöneres Gefühl, als eben genau das gemeinsam erreicht zu haben.

 

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