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Mentale-Stärke-in-der-Prüfung

Mentale Stärke in der Prüfung

“Zum ersten Mal WM, gemeinsam mit dem Team für Deutschland, den Erwartungen gerecht werden wollen – das war schon eine ganz andere Nummer als sonst. Ich glaube, das geht auf gewisse Art und Weise wahrscheinlich jedem so, der sich lange auf eine bestimmte Situation vorbereitet, die einem wichtig ist und bei der man am Punkt abliefern und sein Bestes zeigen möchte,” erzählt Benjamin. “Natürlich bin ich da nervös. Ich habe mir angewöhnt, diese Nervosität anzunehmen, mich nicht dagegen zu wehren, sondern es als etwas Positives zu sehen. Dieses gesteigerte Adrenalin hilft ja auch, sich auf’s Wesentliche zu konzentrieren und mehr Leistung bringen zu können. Das kann man quasi schon im Alltag bei kleinen Herausforderungen üben.”

In seiner eigenen Welt sein

Absoluter Fokus ist wichtig und geradezu sichtbar. Wer Jessica von Bredow-Werndl in ihrer Olympiakür in Tokio hat reiten sehen, hatte das Gefühl, dass sie sich mit Dalera in ihrer eigenen Welt bewegt – unbeirrt, strahlend und fokussiert. Diesen Fokus braucht es, um eine Prüfung auf einem Turnier optimal absolvieren zu können und das Beste aus sich herausholen zu können. Mentale Stärke ist das Stichwort. „Die größte Übung ist – und das bleibt auch die größte Übung für mich – im Hier und jetzt zu sein und nicht an ein mögliches Resultat zu denken“, so Jessica. „Im Hier und Jetzt zu sein, bedeutet, sich in dem Moment immer nur auf das zu konzentrieren, was zu tun ist. Also mich auf die Mittellinie zu konzentrieren, wenn ich einreite, dann auf das Halten konzentrieren, dann auf das Antraben…“ Diesen Fokus abrufen zu können, bedarf Übung. „Zum einen muss ich mir bewusst machen, im Hier und Jetzt zu sein. Zum anderen übe ich, indem ich oft genug scheitere, weil ich merke, dass ich eben nicht im Hier und Jetzt war und es mir wieder bewusst mache“, erklärt die Olympiasiegerin. „Was auch helfen kann, ist eine ruhige, gleichmäßige Atmung und sich vorzusagen, was zu tun ist. Durch die Atmung regulieren wir ja auch unseren Puls und die Anspannung unserer Muskulatur.“, erklärt Benjamin, während Jessica direkt ergänzt, dass sie schon so oft beobachten konnte, wie sich die Atmung ihrer Pferde direkt förmlich an ihre angepasst habe.

Persönlichkeitsentwicklung als ein wichtiger Teil von mentaler Stärke

Mentale Stärke hat auch was mit der Persönlichkeit zu tun, beziehungsweise inwieweit man bereit ist, sich weiterzuentwickeln, Neues anzunehmen, sich Herausforderungen zu stellen und vielleicht auch Gewohntes abzulegen. „Persönlichkeitsentwicklung ist in meinen Augen eine Lebenseinstellung, ob man sich persönlich weiterentwickeln möchte“, so Jessica. „Für mich geht es um viel mehr als nur um Medaillen oder um das Prüfung reiten. Für mich geht es einfach darum, dass es mich erfüllt, was ich tue. Dass ich liebe, was ich tue. Und dass ich diese Liebe auf die Pferde übertrage und wir gemeinsam Freude daran haben, etwas zu leisten. Und es geht auch darum, dass ich mich immer wieder daran erinnere, dass ich immer noch das kleine Mädchen bin, das gerne mit Pferden tanzen möchte.” “Persönlichkeitsentwicklung kann man nicht in wenigen Worten beschreiben,” ergänzt Benjamin, “Für mich ist es unter anderem die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, selbstreflektiert zu sein und weiterkommen zu wollen.“ Für ihre mentale Stärke haben sich Jessica und Benjamin über die Jahre eine Art Toolbox mit verschiedenen Meditationen und Atemübungen angelegt. Jessica: “Auch Rituale helfen mir in herausfordernden Situationen. Rituale, die mir Sicherheit geben genauso wie meinen Pferden. Das können kleine, normale Dinge sein, wie ein bestimmter Ablauf, eine bestimmte Vorbereitung.”

Im Flow sein

Fokus, Spaß und Leichtigkeit – wie fühlt es sich an, im Flow zu sein, in seiner eigenen Welt zu reiten und sein ganzes Können abzurufen? Jessica: „Das ist ein Gefühl der absoluten Präsenz und in dem Moment nimmt man das Außen auch nicht mehr wahr. Also ich nehme nicht wirklich wahr, wie viele Leute da sind und wer da alles sitzt, wenn ich ums Viereck und im Viereck bin. Das nehme ich erst danach wahr – und das ist auch irgendwie gut so.“ “Und es ist ein Gefühl der Klarheit. Wenn ich im Flow bin, hinterfrage oder zweifle ich nicht. Ich bin in meinem Element, sicher und mir in jedem Moment ganz klar darüber, was der nächste Schritt ist.”

 


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