
Yoga für Reiter: Warum Präsenz schon vor dem Aufsitzen beginnt
Yoga für Reiter ist weit mehr als ein Training für Beweglichkeit und Kraft. Durch die Verbindung von Bewegung, Atmung und bewusster Wahrnehmung kann Yoga dabei helfen, Körpergefühl, Balance und Präsenz zu verbessern – Fähigkeiten, die auch im Sattel eine entscheidende Rolle spielen. Denn Reiten ist Kommunikation. Und wie in jeder Kommunikation kommt, es nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch darauf, in welchem Zustand wir unserem Gegenüber begegnen.
Was wir mitbringen, landet beim Pferd. Eine Studie des französischen Forschungsinstituts INRAE zeigt, dass Pferde den emotionalen Zustand ihres Reiters über Körpersignale wahrnehmen und ihr Verhalten messbar daran anpassen (Jardat et al., PLOS One, 2026). Da Stress und Angst dieselben Hormone auslösen – Adrenalin und Cortisol –, überträgt sich auch der hektische Alltag direkt auf das Pferd. Wer gestresst in den Stall kommt, bringt diesen Zustand deshalb auch mit in den Sattel – ob bewusst oder unbewusst.
Der innere Zustand beeinflusst unsere Atmung, unsere Bewegung und die Spannung unserer Muskulatur. All das lässt sich nicht auf Knopfdruck verändern. Genau hier setzt Yoga an. Durch gezielte Bewegung und bewusste Atmung entsteht ein Moment der Ruhe, in dem wir unseren Fokus wiederfinden und unseren Körper bewusster wahrnehmen. Wer regelmäßig Yoga praktiziert, verbessert nicht nur Gleichgewicht und Körpergefühl, sondern entwickelt auch mehr Präsenz – beim Betreten des Stalls, im Umgang mit dem Pferd und schließlich im Sattel.
Warum Yoga und Reiten so gut zusammenpassen
Gut reiten bedeutet spüren. Das klingt selbstverständlich, ist im Alltag jedoch oft eine Herausforderung. Denn wer tagsüber von einem Termin zum nächsten hetzt, gestresst in den Stall kommt und mit dem Kopf noch woanders ist, dem fällt genau das schwer: wirklich ankommen, wirklich präsent sein, wirklich fühlen. Yoga kann dabei helfen, genau diesen Übergang zu schaffen. „Yoga ist die Verbindung von Bewegung und Atmung und dadurch auch Bewusstmachung“, erklärt Benjamin Werndl. „Ich kriege ein besseres Körpergefühl, ich nehme mehr wahr, und das kann ich natürlich sehr gut aufs Reiten übertragen. Wenn ich mich besser spüre, spüre ich auch das Pferd besser. Und gut reiten heißt spüren.“
Neben Beweglichkeit und Kraft steht beim Yoga vor allem die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers im Mittelpunkt. Wer lernt, sich selbst besser zu spüren, entwickelt mehr Gelassenheit und innere Ruhe – Eigenschaften, die sich unmittelbar auf das Reiten übertragen lassen. „Wenn ich mich besser spüre, bin ich per se schon gelassener. Ich bin mehr verbunden mit mir, ich bin mehr bei mir. Diesen Ansatz nutzen wir, um gelassener zu sein – im Leben wie beim Reiten“, so Benjamin.
Präsenz als Grundlage guter Kommunikation
Pferde reagieren sensibel auf unsere Körpersprache und unseren inneren Zustand. Sie spiegeln unmittelbar, ob wir aufmerksam und präsent sind oder gedanklich noch ganz woanders. „Das Reiten selbst ist schon eine sehr gute Übung, um präsent zu sein, weil das Pferd es uns sofort spiegelt, wenn wir nicht voll da sind“, erklärt Benjamin. Yoga unterstützt genau diese Fähigkeit. Durch die Verbindung von Bewegung und Atmung lernen wir, den Moment bewusst wahrzunehmen, unsere Aufmerksamkeit zu bündeln und mit mehr Präsenz in den Sattel zu steigen.
Entspannen in der Anspannung
Eine weitere Gemeinsamkeit von Yoga und Reiten liegt im bewussten Umgang mit Spannung. „Im Yoga hast du viele Dehnungen, aber auch statische Übungen, wo du hältst – und über die Atmung versuchst du dich hineinzuentspannen“, sagt Benjamin. „Und das ist ganz besonders wertvoll.“ Auch beim Reiten geht es nicht darum, möglichst viel Spannung aufzubauen. Entscheidend ist vielmehr, die notwendige Stabilität mit möglichst viel Leichtigkeit zu verbinden. Gleichgewicht entsteht nicht durch Anspannung allein, sondern durch die Fähigkeit, dort loszulassen, wo keine Spannung benötigt wird. „Wenn wir das Pferd zum Tragen und letztendlich ins Gleichgewicht bringen wollen, wollen wir das entspannt hinbekommen – weil es nur dann wirklich leicht ist.“
Vier Elemente, vier Wochen Yoga für Reiter
Der neue Yoga für Reiter-Kurs im Aubenhausen Club begleitet dich über vier Wochen. Jede Woche steht unter dem Zeichen eines Elements und greift Qualitäten auf, die auch im Reiten eine wichtige Rolle spielen. Im folgenden Video gibt Micaela Werndl einen Einblick in den neuen Yoga für Reiter-Kurs und erklärt, was dich erwartet und warum Yoga eine wertvolle Ergänzung zum Reiten sein kann.
Erde schenkt Halt und Vertrauen. Stabilität, Erdung, innere Ruhe – Übungen dieser Woche fördern Balance und das ruhige Zentriertsein in sich selbst.
Wasser lädt zum Fließen ein. Beweglichkeit, Gleichmaß, Gelassenheit und Losgelassenheit – die Übungen sind dynamischer und fließender, sie helfen, Spannungen loszulassen, statt festzuhalten.
Feuer bringt Energie und Ausdruck. Kraft, Aufrichtung, Wärme und Motivation – Übungen, die aufrichten, beleben und innere Stärke wecken.
Luft bringt Klarheit und Präsenz. Bewusstsein fürs Hier und Jetzt, Offenheit, Verbundenheit – die letzte Woche widmet sich ganz dem Fokus und dem Ankommen im Moment.
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